gf_1_0_0_-1
gf_1_0_0_-1
Sie befinden sich  >>Konzeption
gf_1_0_0_-1
home
Kontakt
Impressum
gf_1_0_0_-1
gf_1_0_0_-1
zurück
aktuell

Besuch im „Tal des Todes


Schüler der achten und neunten Klasse von der Siebensternschule Selb besuchen die KZ- Gedenkstätte Flossenbürg. Schicksal der Häftlinge bei dreistündigem Rundgang nachempfunden.
 
Von Gerald Lippert
 
Selb / Flossenbürg – „Das darf nie wieder geschehen! – Mit diesem Eintrag im Gästebuch der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg (Landkreis Neustadt/Waldnaab) gaben die Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 8 und 9 der Siebensternschule Selb – Sonderpädagogisches Förderzentrum (SFZ) ihre Eindrücke beim Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers wieder. In einem dreistündigen, geführten Rundgang erkundeten sie den Erinnerungsort und versuchten sich in das Leben der Häftlinge hineinzuversetzen.
Margit Sailer von der Bildungsstätte Flossenbürg stellte den Jugendlichen zunächst das Außengelände vor. Dieses umfasst heute rund die Hälfte des ehemaligen Häftlingsbereichs und Teile des SS-Bereichs. Erhalten geblieben sind einige Originalgebäude, darunter das Eingangsgebäude (Kommandantur) mit dem Appellplatz, Wachtürme, das Krematorium, Teile des Arrestbaus sowie die ehemalige Lagerwäscherei und die Lagerküche.
In der ehemaligen Wäscherei befindet sich die Dauerausstellung „Konzentrationslager Flossenbürg 1938 – 1945. Frau Sailer verdeutlichte den Schülern anhand des Lagermodells, mit Bild- und Filmmaterial, aber auch durch die Kleidung der Häftlinge, weshalb das KZ für die Insassen ständig ein lebensbedrohlicher Ort war. Der Alltag im Lager war unmenschlich. Die Gefangenen wurden gedemütigt und mussten bis zur Erschöpfung arbeiten.
Für die Schüler war es kaum vorstellbar, dass von der SS (Schutzstaffel Hitlers) rund 100.000 Häftlinge zwischen 1938 und 1945 in Flossenbürg gefangen gehalten wurden. Mindestens 30.000 von ihnen kamen während der Haft ums Leben. Die SS-Führung hatte das Lager errichtet, um durch die Zwangsarbeit der Häftlinge die Granitvorkommen am Ort auszubeuten. Die Häftlinge selbst bekamen für ihre Arbeit keinen Lohn und die geringen Essensrationen ließen sie so weit abmagern, dass sie durchschnittlich nur noch 35 bis 40 Kilogramm wogen.
Ab 1943 wurde Flossenbürg zudem zum Rüstungsstandort, erklärte Frau Sailer. So mussten die Häftlinge für die Firma Messerschmidt Flugzeugteile montieren. Gleichzeitig entstand ein System von rund 90 Außenlagern in Bayern, Böhmen und Sachsen. Als die Alliierten kurz vor Kriegsende immer weiter vorrückten, wurden tausende Häftlinge auf Todesmärschen in Richtung Süden getrieben. Deshalb fanden die Soldaten der US-Army bei der Befreiung des Lagers am 23. April 1945 nur noch 1500 Todkranke vor.
Die Terror- und Gewaltherrschaft der SS wurde den Selber Schülern besonders beim Betreten des Krematoriums bewusst, als sie vor dem Verbrennungsofen standen. Als es noch keinen Ofen in Flossenbürg gab, wurden die Leichen nach Selb zur Verbrennung ins Krematorium gebracht. Die Gedenkstätte im so genannten „Tal des Todes umfasst heute Gräber, den Erschießungsplatz, eine „Aschenpyramide von rund 15.000 Häftlingen, den „Platz der Nationen und eine Kapelle.
Bei der Abschlussbesprechung im neuen Bildungszentrum, dem früheren SS-Casino,  berichteten die Schüler beim Spiel „Würfelblitz von ihren Eindrücken. Die Erzählung über einen Jungen, der in einem Schacht zwischen Versorgungsrohren versteckt wurde und so überleben konnte, aber auch der schreckliche Umgang mit den Häftlingen und deren Erniedrigung im Häftlingsbad durch die Wegnahme ihrer Kleidung und die Rasur ihrer Haare kamen dabei zur Sprache. In Erinnerung blieb den Selber Schülern auch der Satz eines italienischen Gefangenen im Häftlingsbad: „Hier haben wir nicht nur die Kleidung verloren, sondern unsere Seele.
Geschichte
Die Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 und 9 der Selber Siebensternschule besuchten die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Das Bild zeigt sie vor dem Gebäude der ehemaligen Kommandantur.        Foto und Text: Gerald Lippert
KZ_Flossenbuerg_2015